Iruya in Argentinien – Spektakuläre Fahrt in eine andere Welt

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  • Beitrag zuletzt geändert am:4. Februar 2022
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Iruya ist ein sehr idyllischer kleiner Ort im Nordwesten von Argentinien. Umgeben von steilen Felswänden leben die Einheimischen sehr abgelegen und traditionell. Durch die Abgeschiedenheit fühlen wir uns in Iruya wie in einer anderen Welt. Die unbefestigte, schmale und kurvenreiche Zufahrtsstrasse führt über einen 4’000 m hohen Pass, durch Flüsse und an kleinen Siedlungen vorbei. Allein schon die Fahrt ist ein Erlebnis für sich.

Die hohen Berge rund um Iruya bieten eine spektakuläre Kulisse. Die Farbenspiele, durch den sich ständig ändernden Sonnenstand, sind faszinierend. Leben möchten wir in Iruya nicht. Zu hoch sind uns die Felswände, welche auf allen Seiten in die Höhe ragen. Diese führen auch dazu, dass sich die Sonne am Morgen recht spät zeigt und am Abend sehr früh wieder hinter den Bergen verschwindet. Viele Attraktionen gibt es in Iruya nicht, aber das gemächliche Leben der Einheimischen zu beobachten, die Ruhe in sich aufzunehmen, die spektakuläre Berglandschaft zu bestaunen und einfach einmal die Seele baumeln zu lassen, dafür ist Iruya perfekt. Und dann ist da natürlich auch die abenteuerliche Anfahrt durch die atemberaubende Landschaft.

Was gibt es im kleinen Ort Iruya zu sehen?

Wir haben in Humahuaca geschlafen, dem letzten Stopp unserer Fahrt durch das gleichnamige Tal. Am Morgen wollen wir noch kurz Brot kaufen und dann die abenteuerliche Fahrt nach Iruya in Angriff nehmen. Wir stehen gerade am Strassenrand in Humahuaca, als ein Overlander Fahrzeug mit Berner Kennzeichen an uns vorbeifährt. Die beiden Schweizer haben uns auch gesehen, drehen um und fahren zurück. Wir springen aus unserem Land Cruiser und begrüssen die beiden. Susanne und Ueli sind mit ihrem Mercedes schon eine ganze Weile in Südamerika unterwegs.

Wir parken unsere Fahrzeuge und suchen uns ein nettes Café. Das Reisen ist unsere gemeinsame Leidenschaft und natürlich haben wir uns viel zu erzählen. Nach einer Weile merken wir, dass wir für den heutigen Tag das gleiche Ziel haben. Auch Susanne und Ueli haben geplant nach Iruya zu fahren. So machen wir uns auf den Weg und verabreden, beim Sportplatz in Iruya gemeinsam zu Campen. In Iruya gibt es keinen offiziellen Campingplatz. Beim Sportplatz soll es aber einen Parkplatz geben, wo Overlander stehen können.

Da wir erst am späten Nachmittag in Iruya ankommen, verschieben wir die Besichtigung des Ortes auf den nächsten Morgen und konzentrieren uns zuerst auf das Feierabendbier und einen Snack. Wir befinden uns zwar auf der gegenüberliegenden Flussseite des Dorfkernes, trotzdem haben wir eine herrliche Sicht auf Iruya. Am Abend feuert Ueli dann den portablen Grill ein und gemeinsam bereiten wir unser Abendessen zu. Dann wird es rasch sehr kühl und wir dürfen noch auf einen Kaffee bei den Beiden in ihrem Fahrzeug sitzen.

Der Overlander Platz in Iruya

Iruya mit dem ausgetrockneten Flusslauf

Unsere Aussicht vom Sportplatz in Iruya

Am nächsten Morgen müssen wir ganz schön lange warten bis sich die Sonne endlich hinter den hohen Felswänden hervortraut. Die Nacht war kalt und so sehnen wir uns nach den wärmenden Sonnenstrahlen. Während wir frühstücken, besucht uns eine Einheimische und verkauft uns frisches Gemüse aus ihrem Garten. Sie erzählt uns, dass sie in einem Dorf ausserhalb von Iruya wohnt und nur ab und zu herkommt, um Gemüse zu verkaufen. Sie muss dafür mehrere Stunden marschieren, denn der Weg ist weit und anstrengend.

Nach dem Frühstück machen wir uns auf zu einem Spaziergang durch Iruya. Über eine Hängebrücke für Fussgänger gelangen wir auf die gegenüberliegende Flussseite, wo sich auch der Dorfkern befindet. Das Dorf wirkt wie an die Felswand geklebt. Vom Hauptplatz bei der Kirche gehen die Strassen steil aufwärts. Entlang der engen Gassen reihen sich kleine Adobe Häuser. In den letzten Jahren ist Iruya bei Besuchern immer beliebter geworden und so gibt es sogar ein kleines Touristenbüro, wo wir einen Plan des Dorfes erhalten.

Adobe Haus in Iruya in Argentinien

Wir wollen uns eine Übersicht über das Dorf Iruya verschaffen und gehen eine steile Gasse entlang Richtung Aussichtspunkt. Hoch über Iruya haben wir einen fantastischen Blick in die verschiedenen Täler, über das Dorf und die an die Hänge gebauten Häuser. Auf der gegenüberliegenden Flussseite können wir beim Sportplatz unsere winzigen Fahrzeuge erkennen. Beim Aussichtspunkt befinden sich auch Empfangsantennen, eine kleine Solaranlage und ein Kreuz mit einem kleinen Altar.

Iruya mit Aussichtspunkt hoch über dem Ort

Ein Seitental bei Iruya

Die steilen Strassen in Iruya

Aussicht auf den Sportplatz von Iruya

Iruya Aussichtspunkt mit Kreuz

Zur Belohnung für den Aufstieg, gönnen wir und ein leckeres Stück Apfelkuchen auf dem Dorfplatz.
Einheimische verkaufen auf dem Platz vor der Kirche ihre Handarbeiten und verschiedene Snacks. Die Dorfbewohner sitzen zusammen und tauschen Neuigkeiten aus. Ältere Frauen und Männer sind traditionell gekleidet und kauen Kokablätter. Die Schulkinder haben eine schöne Uniform und sind gerade auf dem Nachhauseweg für die Siesta. Es geht gemütlich zu und her in Iruya.

Die Kirche von Iruya in Argentinien

Schulkinder in Iruya

Die schöne, gelbe Kirche mit dem blauen Dach verleiht dem Dorf einen romantischen Charakter. Innen ist die Kirche schön bemalt. Die Kirche ist das Wahrzeichen von Iruya und bildet auch den Mittelpunkt. Es gibt ein paar Pensionen, Restaurants und auch kleine Einkaufsläden für Lebensmittel. Die Gassen in Iruya sind eng und steil. Der Ort ist klein und am besten ist es sein Fahrzeug ausserhalb stehen zu lassen und zu Fuss ins Dorf zu gehen.

LKW in den engen Gassen von Iruya

Die spektakuläre Anfahrt nach Iruya ist ein Abenteuer

Die Anfahrt nach Iruya ist unglaublich spektakulär und ein Abenteuer für sich. Die Strasse von der Quebrada de Humahuaca nach Iruya führt über einen 4’000 m hohen Pass und ist unbefestigt. die Ruta Provincial 13 zweigt 26 km nördlich von Humahuaca ab. Bei der Bezirksgrenze von Jujuy und Salta geht die Ruta Provincial 13 in die Ruta Provincial 133 über und führt von der Passhöhe ins Tal, in dem Iruya liegt.

Die Schotterstrasse ist bei unserem Besuch in einem guten Zustand. Sie ist mancherorts recht steil und eng, verläuft über viele Serpentinen und durch zwei Flüsse über den Gebirgsrücken. Nach heftigen Regenfällen kann der Fluss, der bei unserem Besuch nur aus einem Rinnsal besteht, mächtig anschwellen. Dann ist Iruya von der Aussenwelt abgeschnitten. Kein Wunder fühlen wir uns nach der Fahrt über die Passtrasse in Iruya wie in einer anderen Welt.

Die Strecke von der Kreuzung an der Ruta Nacional 9 bis nach Iruya beträgt nur 47 km. Unsere Navigations-App berechnet für die Strecke eine Fahrzeit von mehr als einer Stunde. Die Durchschnittsgeschwindigkeit wird also unter 50 km/h angenommen. Wir benötigen für die Fahrt zweieinhalb Stunden, stoppen aber mehrmals, um die Landschaft in Ruhe anzuschauen und Fotos zu machen. Die Strecke ist fahrtechnisch nicht sonderlich anspruchsvoll. Trotzdem sollten die engen Kurven, die Steigungen und die steilen Abhänge neben der Strasse nicht unterschätzt werden. Gegenverkehr kommt oft an den ungeeignetsten Stellen auf einem zu gebraust.

Gegenverkehr entlang der Passstrasse nach Iruya

Wenige Kilometer nachdem wir die Hauptstrasse verlassen, fahren wir durch den kleinen Ort Iturbe. Hier müssen wir auch den Fluss Rio Grande de Jujuy überqueren, was zurzeit aber kein Problem ist. Der Fluss ist im Moment nur ein kleines Rinnsal. Im Ort gibt es eine alte Bahnstation einer längst stillgelegten Bahnlinie. Sonst bietet der Ort nicht viel. Auf der Weiterfahrt sehen wir nur noch vereinzelte kleine Siedlungen mit Adobe Häusern. Diese sind zwar sehr idyllisch gelegen, aber auch sehr weit weg der Zivilisation.

Siedlung mit Adobe Haus

Adobe Bauern Siedlung in Nordargentinien

Nun folgt die Strasse zuerst der Schlucht des Flusses Agua Chica und dann derjenigen des Flusses Chupi Rodeo. Dabei steigt sie stetig an. Vor der Passhöhe wird es dann recht steil und es gibt ein paar enge Kurven zu bewältigen. Wir befinden uns auf fast 4’000 m und die Leistung des Fahrzeuges beginnt merklich nachzulassen. Trotzdem schaffen wir es ohne Probleme zum höchsten Punkt der Zufahrtsstrasse nach Iruya.

Die Ruta Provincial 13 in Nordargentinien

Die Passhöhe auf 4’000 m.ü.M. ist erreicht. Diese markiert auch die Grenze der Bezirke Jujuy und Salta. Reisende haben Aufkleber auf dem Strassenschild hinterlassen und einen grossen Steinhaufen (Apaccheta) aufgetürmt. Dieser Steinhaufen dient als Altar, wo Trankopfer für Pachamama (Mutter Erde) niedergelegt werden. Ein starker Wind bläst über die Passhöhe. Es ist Mittagszeit und so essen wir unser Mittagessen im Auto und geniessen so die herrliche Aussicht ins Tal.

Passhöhe mit der Provinzgrenze Jujuy und Salta

Steinhaufen auf der Passhöhe der RP13

Aussicht von der Passhöhe der Ruta 133

Nach der Passhöhe geht es wieder runter ins Tal. Die Landschaft ist unglaublich schön und die Strassenführung ist spektakulär. Wir winden uns über enge Haarnadelkurven ins Tal und vernichten so sehr rasch die zuvor mühevoll gewonnene Höhe.

Atemberaubender Strassenverlauf ins Tal

Abfahrt ins Tal nach Iruya auf der Ruta 133

Das letzte Stück der Strecke folgt dem Rio Iruya (Rio Colanzuli), den wir zweimal überqueren. Auch diese Flussdurchfahrten bieten keinerlei Probleme, denn der Untergrund ist gut und der Fluss ist nur ein kleines Rinnsal. Dann ist es geschafft und die Häuser von Iruya tauchen zwischen den hohen Felswänden auf. Für Overlander gibt es beim Sportplatz auf der gegenüberliegenden Flussseite des Dorfkerns einen guten Stellplatz. Die beiden Dorfteile sind mit einer Hängebrücke für Fussgänger miteinander verbunden.

Hast du kein eigenes Fahrzeug, kannst du Iruya mit dem öffentlichen Bus ab Humahuaca erreichen. Die Fahrt dauert rund 3 Stunden und es gibt mehrere Busse pro Tag.

Unterkünfte in Iruya

Hotel Tipps im idyllischen Ort Iruya

El Caucillar

Doppelzimmer mit eigenem Bad oder gemischter Schlafsaal mit reichhaltigem Frühstück. Kostenfreies WLAN.

Hotel Iruya

Tolle Lage mit Aussicht auf die Berge. Zimmer sind stilvoll eingerichtet, grosser Aufenthaltsraum in relaxter Atmosphäre.

Ruta 133 entlang des Rio Iruya

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Iruya in Argentinien

Entdeckst du auch gerne abgelegene Orte, die nicht bei jedem Reisenden auf dem Programm stehen? Hast du Tipps solcher Orte in Argentinien, die sich abseits der grossen Touristenströme befinden?

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Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Ana Pfyffer

    Was für tolle Bilder…. und welch ein Glück so reisen zu können!! Ich beneide euch und verfolge euch seit einigen Monaten. Mein Mann und ich stehen kurz vor der vorzeitigen Pensionierung, und wir planen „bald“ auch auf die grosse Reise zu gehen. Ein ganzes Jahr haben wir für unseren neuen Camper (Bimobil) gewartet und seit einem Monat ist er nun endlich bei uns.
    Eure Berichte verleiten uns zum träumen und die Vorfreude steigt und steigt….
    Geniesst es und allzeit BUEN VIAJE
    Ana Pfyffer

    1. Reni

      Herzlichen Dank für deine Nachricht und das Kompliment zu unseren Bildern.

      Da habt ihr ja traumhafte Aussichten. Seid ihr mit eurem neuen Camper bereits in Europa unterwegs oder wohin wird euch eure grosse Reise hinziehen?

      Uns gefällt Südamerika supergut, denken aber auch jeden Tag an die wundervolle Zeit in Australien zurück.

      Liebe Grüsse und viel Spass bei der Reisevorbereitung.

      Reni

  2. Jörg

    Sehr schöne Berichte! Tolle Bilder.
    Vor sieben Jahren waren wir dort mit einem HZJ105.
    Ich habe euch eine E-Mail an die Adresse im Impressum geschrieben.
    Über eine kurze Antwort würde ich mich sehr freuen.

    1. Reni

      Vielen Dank für das Kompliment und so cool, ihr wart vor sieben Jahren auch in Iruya. Deine E-Mail ist bei uns angekommen, melden uns bei euch.
      Liebe Grüsse aus Patagonien

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